Rottweiler
Inhaltsverzeichnis
- Steckbrief: Rottweiler
- Charakter: Alles außer das, was die Boulevardpresse behauptet
- Herkunft: Von den Römern zu den Metzgern von Rottweil
- Haltung: Nicht für die Stadtwohnung, nicht für Halbherzige
- Erziehung
- Gesundheit: Kräftig, aber nicht unverwundbar
- Kupierung
- Ernährung: Was ein 50-Kilo-Muskelpaket wirklich braucht
- Für wen ist der Rottweiler der richtige Hund?
- Häufige Fragen zum Rottweiler
Kein anderer Hund wird so oft missverstanden. Der Rottweiler taucht in Beißstatistiken auf, gilt in Bayern und mehreren anderen Bundesländern als potenziell gefährlicher Hund und muss deshalb auf der sogenannten Rasseliste geführt werden. Das bedeutet konkret: Leinenpflicht, Wesenstest, Maulkorbpflicht je nach Region, höhere Steuer. Nicht weil die Rasse von Natur aus gefährlich wäre, sondern weil Vorfälle in der Vergangenheit auf falsche Haltung, fehlende Erziehung und gezielte Abrichtung auf Schärfe zurückgingen. Dabei ist der Rottweiler von freundlicher und friedlicher Grundstimmung, kinderliebend, anhänglich. Das steht sogar im FCI-Rassestandard. Das Problem ist nicht der Rottweiler, das Problem ist, wer ihn hält und wie. Wer das verstanden hat, hat einen der loyalsten, intelligentesten und charakterstärksten Hunde der Welt an seiner Seite. Grund genug uns den Rotti einmal genauer anzuschauen.
Steckbrief: Rottweiler
- Größe: Rüden 61–68 cm, Hündinnen 56–63 cm Schulterhöhe
- Gewicht: Rüden bis 50 kg, Hündinnen bis 42 kg
- Lebenserwartung: 9–11 Jahre
- Herkunft: Deutschland (Rottweil, Baden-Württemberg)
- FCI-Gruppe: Gruppe 2 – Pinscher und Schnauzer, Molosser, Schweizer Sennenhunde; Sektion 2.1, Standard Nr. 147
- Fell: Kurzes, dichtes, festes Stockhaar mit Unterwolle
- Farbe: Schwarz mit klar abgegrenzten rotbraunen Abzeichen (Brand) an Lefzen, Augenbrauen, Brust und Beinen
- Bewegungsbedarf: Hoch – mindestens 2 Stunden täglich, plus geistige Auslastung
- Anfängergeeignet: Nein
- Verträglich mit Kindern: Ja, bei konsequenter Erziehung und früher Sozialisation
- Verträglich mit anderen Hunden: Bedingt – Rüden neigen zu Dominanzverhalten
- Ernährungsbesonderheiten: Neigt zu Übergewicht; großer Hund mit tiefem Brustkorb, erhöhtes Risiko für Magendrehung; profitiert von proteinreichem, getreidefreiem Futter; Gelenkunterstützung wichtig

Charakter: Alles außer das, was die Boulevardpresse behauptet
Ein gut gezüchteter und erzogener Rottweiler ist selbstsicher, nervenfest und ruhig. Er reagiert aufmerksam auf seine Umwelt, aber nicht hysterisch. Er ist territorial und schutzbereit, aber er macht davon nur Gebrauch, wenn es sein Mensch von ihm verlangt. Das unterscheidet ihn fundamental von einem schlecht sozialisierten Hund, der aus Unsicherheit beißt.
Die Rasse hat eine mittlere Reizschwelle. Sie provoziert nicht, reagiert aber. Das ist ein wichtiger Unterschied. Ein Rottweiler, der klar geführt wird, ist ein ausgeglichener Hund. Einer, der die Führung übernehmen muss, weil sein Mensch sie nicht ausübt, wird zum Problem. Nicht wegen Bösartigkeit, sondern weil er dann konsequent das tut, was ein Rottweiler eben tut: er entscheidet.
Hier muss man ehrlich sein. Ein Rottweiler hat eine Beißkraft von rund 330 PSI. Zum Vergleich: Ein Deutscher Schäferhund kommt auf etwa 238 PSI, ein Mensch auf 120 bis 140 PSI. Dazu kommt ein Körpergewicht von bis zu 50 Kilogramm und eine entsprechende Muskulatur. Das bedeutet nicht, dass der Rottweiler gefährlicher ist als andere Hunde. Es bedeutet aber, dass ein Vorfall mit einem Rottweiler schwerere Folgen haben kann, als ein Biss eines kleineren Hundes mit weniger Kieferkraft. Ein kleiner Hund, der schnappt, hinterlässt im schlimmsten Fall eine Wunde. Ein 50-Kilo-Rottweiler, der zubeißt, kann Menschen ernsthaft verletzen. Das ist keine Panikmache, das ist Physik und genau deshalb ist diese Rasse keine für Halbherzige.
Gegenüber seiner Familie ist er bedingungslos loyal. Anhänglich bis auf die Knochen. Manche Halter berichten, dass ihre Rottis buchstäblich Körperkontakt suchen, als wäre ihnen entgangen, dass sie 50 Kilogramm wiegen. Das ist kein Zufall. Die Rasse wurde über Jahrhunderte darauf gezüchtet, eng mit Menschen zusammenzuarbeiten.
Herkunft: Von den Römern zu den Metzgern von Rottweil
Die Urahnen des Rottweilers kamen mit den römischen Legionen über die Alpen. Kräftige, ausdauernde Hütehunde, die Viehherden treiben und bewachen konnten. In der württembergischen Reichsstadt Rottweil kreuzten sie sich über Jahrhunderte mit den Hunden der Bauern und Metzger, bis der Rottweiler Metzgerhund entstand. Er trieb Vieh zum Markt, zog Karren mit Fleisch durch die Stadt und bewachte das Hab und Gut seines Herrn.
Die Legende sagt, am Ende des Markttages band man ihm den Erlös in einem Lederbeutel um den Hals. Diebe ließen es lieber bleiben. Ein Zuchtziel war daher immer ein wehrhafter, imposanter Hund mit dem Charakter eines zuverlässigen Arbeiters. Im 19. Jahrhundert wurde der Viehtrieb durch die Eisenbahn ersetzt und die Rasse beinahe ausgestorben. Es rettete sie der Militär- und Polizeidienst: 1910 wurde der Rottweiler offiziell als Polizeidiensthunderasse anerkannt. Bis heute gilt er als einer der zehn anerkannten Diensthunderassen in Deutschland.

Haltung: Nicht für die Stadtwohnung, nicht für Halbherzige
Ein Rottweiler braucht täglich mindestens zwei Stunden Bewegung. Nicht als Pflicht, sondern als Mindestanforderung. Zusätzlich braucht er geistige Auslastung. Apportieren, Fährtenarbeit, Schutzhundesport, Turnierhundesport. Diese Rasse ist ein Gebrauchshund und das merkt man, wenn sie nicht ausgelastet ist.
Für eine Stadtwohnung ist der Rottweiler nicht gemacht. Falls es sich nicht vermeiden lässt, ist ausreichend Auslauf außerhalb der Wohnung das Minimum, und der Hund muss früh an hektische, städtische Umgebungen gewöhnt werden. Am besten hält man ihn auf einem Grundstück, wo er Platz hat und eine Aufgabe findet.
Wichtig zu wissen: In mehreren deutschen Bundesländern gilt der Rottweiler als Listenhund. Bayern, Hamburg und einige andere schreiben Wesenstests, Leinenpflicht, teils Maulkorbzwang und erhöhte Steuern vor. Wer einen Rottweiler anschaffen möchte, informiert sich zuerst über die Vorschriften am eigenen Wohnort.
Erziehung
Ein Rotti sucht sich seinen Anführer, wenn du es nicht bist, macht er es selbst.
Das ist keine Metapher. Ein Rottweiler ordnet sich nur unter, wenn er seinen Menschen für kompetent hält. Bei unsicheren, zögerlichen Persönlichkeiten übernimmt er die Führung. Das klingt harmlos, ist aber genau das, was aus einem gutmütigen Familienhund einen problematischen Hund macht.
Erziehung beginnt am ersten Tag. Konsequent, klar, nie mit Gewalt. Ein Rottweiler-Welpe muss lernen, nicht an der Leine zu ziehen, weil er mit 50 Kilogramm niemanden mehr aufhalten kann. Er muss früh sozialisiert werden, mit Menschen, Kindern, anderen Hunden, Geräuschen. Ein Hundeplatz des ADRK (Allgemeiner Deutscher Rottweiler Klub) ist eine sinnvolle Anlaufstelle für Halter. Dort gibt es Erfahrung, keinen Welpenkurs für Einsteiger.
Das ist kein Anfängerhund. Punkt. Wer noch nie einen Hund hatte oder noch nie mit einer dominanten, großen Rasse gearbeitet hat, sollte ehrlich sein. Nicht weil der Rottweiler gefährlich ist, sondern weil er verdient, richtig geführt zu werden.
Gesundheit: Kräftig, aber nicht unverwundbar
Der Rottweiler ist grundsätzlich eine robuste Rasse. Großen Hunden mit tiefem Brustkorb droht jedoch die Magendrehung (Magendilation-Volvulus), ein lebensbedrohlicher Notfall. Mehrere kleinere Mahlzeiten pro Tag statt einer großen, kein Sport direkt nach dem Fressen, kein Wasser aus dem Napf in einem Zug geleert. Das sind keine optionalen Hinweise.
Hüftgelenksdysplasie und Ellenbogendysplasie sind weitere Risiken, genetisch bedingt und durch Überzucht begünstigt. Seriöse Züchter testen ihre Elterntiere auf HD und ED vor der Verpaarung. Wer einen Rottweiler kauft, fragt nach diesen Nachweisen. Zusätzlich kann die Rasse an Herzerkrankungen leiden, insbesondere Herzklappenproblemen. Auf die erblich bedingte juvenile Larynxlähmung und Polyneuropathie sollte man bei Symptomen wie Heiserkeit oder Koordinationsproblemen achten.
Weil Rottweiler gerne fressen und gerne viel fressen, neigen sie zu Übergewicht. Ein zu schwerer Rottweiler belastet seine Gelenke zusätzlich. Das kurze, dichte Fell braucht wenig Pflege, außer in der Fellwechselzeit im Frühjahr und Herbst, wo ein Gumminoppenhandschuh gute Dienste leistet.
Kupierung
Wer Bilder von Rottweilern aus dem Ausland sieht, findet oft Tiere mit kurzem Stummelschwanz. Die Rute wurde wenige Tage nach der Geburt durch einen Schnitt zwischen den Wirbeln gekürzt, beim Rottweiler traditionell nach dem ersten Wirbel. Das war in vielen Ländern Rassestandard und so verbreitet, dass viele Menschen heute noch glauben, der Rottweiler habe von Natur aus einen kurzen Schwanz. Hat er nicht. Er hat eine kräftige, lange Rute.
Die Ohren wurden beim Rottweiler ebenfalls gelegentlich kupiert, allerdings war das weniger rassetypisch als etwa beim Dobermann, Boxer oder Schnauzer, wo die aufrecht stehenden kupierten Ohren das prägende Erkennungsmerkmal waren. Beim Rottweiler stehen die Schlappohren auch ohne Eingriff hoch angesetzt am Kopf und hängen nach vorne. Kupierte Ohren beim Rottweiler kamen vor, waren aber nicht das primäre Zuchtziel.
In Deutschland ist das Kupieren der Ohren seit 1987 verboten, das der Rute seit 1998. Trotzdem kursieren kupierte Rottweiler weiterhin, weil manche Züchter die Welpen kurz ins Ausland bringen, dort kupieren lassen und sie dann legal zurückführen. Das ist in Deutschland ein Straftatbestand: Die Schmerzen dauern über den Eingriff hinaus Wochen an, auch wenn der Hund längst wieder im Inland ist.
Die Rute ist für Hunde kein überflüssiges Anhängsel. Sie ist ein zentrales Kommunikationsmittel und hilft beim Gleichgewicht. Ein Hund ohne Rute kann Artgenossen seinen emotionalen Zustand weit schlechter signalisieren, was das Konfliktpotenzial bei Begegnungen nachweislich erhöht. Wer einen Rottweiler kauft und auf einen Anbieter trifft, der kupierte Tiere anbietet oder dafür wirbt, kauft dort nicht. Ein seriöser Züchter in Deutschland bietet das nicht an.
Dasselbe gilt für Extremzucht auf übermäßige Körpermasse. Ein Rottweiler von 70 oder 80 Kilogramm sieht imposant aus. Er ist aber kein Zuchtfortschritt, sondern ein gesundheitliches Problem auf vier Beinen. Der FCI-Standard beschreibt einen kräftigen, wendigen Hund mit Ausdauer. Gelenkprobleme, Herzbelastung und eine deutlich verkürzte Lebenserwartung sind die realen Konsequenzen dieser Überzucht. Wer seriös züchtet, hält sich an den Standard.

Ernährung: Was ein 50-Kilo-Muskelpaket wirklich braucht
Ein ausgewachsener Rottweiler von 50 Kilogramm braucht täglich rund 550 bis 600 Gramm Trockenfutter, abhängig von Aktivitätsniveau und Alter. Wichtiger als die Menge ist die Qualität. Großrassen mit erhöhter Gelenkbelastung profitieren von einem Futter mit natürlichen Gelenkunterstützern wie der irischen Kelp-Alge, die wertvolle Spurenelemente, Jod und entzündungshemmende Stoffe liefert.
Getreide als Füllstoff hat im Napf eines Rottweilers nichts verloren. Hunde mit stärkerem Muskelmasse-Anteil brauchen tierisches Protein in hoher Qualität. Fleisch aus Freilandhaltung, klar deklariert, ohne Antibiotika aus der Masttierhaltung, ohne künstliche Aromen. Und wer einen Rottweiler hat, der zu Übergewicht neigt, wählt eine Sorte mit kontrolliertem Fettgehalt und verzichtet auf hochkalorische Leckerlis zwischen den Mahlzeiten.
Für wen ist der Rottweiler der richtige Hund?
Für Menschen mit Hundeerfahrung, die wissen, was konsequente Führung bedeutet.
Halter, die Zeit haben: mindestens zwei Stunden Bewegung täglich, dazu Training und Beschäftigung und für jemanden, der einen treuen, intelligenten Hund möchte, der sich wirklich für seinen Menschen interessiert und keinen Zentimeter von seiner Seite weicht.
Nicht geeignet ist er für Ersthundehalter ohne Mentor oder Kursbegleitung, für Menschen ohne Grundstück in dicht besiedelten Großstädten, für Halter, die wenig Zeit haben oder sich nicht intensiv mit der Erziehung auseinandersetzen wollen. Und definitiv nicht für jemanden, der mit einem imposanten Hund Eindruck schinden möchte. Das geht meistens schief.
Häufige Fragen zum Rottweiler
Sind Rottweiler aggressive Hunde?
Nein. Der FCI-Standard beschreibt den Rottweiler ausdrücklich als von freundlicher und friedlicher Grundstimmung. Aggressivität entsteht durch falsche Haltung, fehlende Sozialisation oder gezielte Abrichtung auf Schärfe. Ein gut geführter Rottweiler ist ausgeglichen, selbstsicher und nicht unnötig scharf. Er reagiert, wenn er muss. Er provoziert nicht.
Ist ein Rottweiler ein guter Familienhund?
Ja, unter den richtigen Voraussetzungen. Die Rasse ist von Natur aus kinderliebend, loyal und schutzbereit. Frühe Sozialisation und konsequente Erziehung sind Pflicht, keine Option. Wer das leistet, hat einen treuen und verlässlichen Familienhund. Wer es nicht tut, hat ein Problem.
Ist ein Rottweiler gut für Anfänger?
Nein. Das ist keine Meinung, das ist eine Risikoeinschätzung. Ein Rottweiler sucht sich einen Menschen, dem er vertrauen kann und den er für kompetent hält. Findet er keinen, übernimmt er selbst die Führung. Mit bis zu 50 Kilogramm und entsprechendem Selbstbewusstsein ist das kein theoretisches Problem. Wer unbedingt mit dieser Rasse starten möchte, sollte von Anfang an professionelle Begleitung einplanen.
Ist es schwer, einen Rottweiler zu erziehen?
Mit der richtigen Einstellung nicht. Der Rottweiler ist hochintelligent und lernfreudig. Er lernt schnell. Er testet aber auch, ob sein Mensch konsequent bleibt. Wer klare Regeln setzt, sie immer einhält und ruhig bleibt, wird feststellen, dass dieser Hund sehr gut ausgebildet werden kann. Was schwer ist: die eigene Konsequenz aufrechtzuerhalten. Jeden Tag, nicht nur wenn man Lust hat.
Der Rottweiler ist kein einfacher Hund. Aber er ist ein ehrlicher. Er erwartet vom Menschen dieselbe Klarheit, die er selbst mitbringt. Wer das versteht und bereit ist, seinen Teil zu leisten, bekommt dafür einen Hund, der auf einem Niveau loyal ist, das die meisten Rassen nicht kennen. Und der trotzdem schläft wie ein Kätzchen auf dem Sofa. Wenn man ihn lässt.
Hundeernährungsexpertin
Kathrin Trušnic ist zertifizierte Hundeernährungsberaterin und leitet bei Irish Pure die individuelle Ernährungsberatung. Mit über zehn Jahren Praxis erstellt sie wissenschaftlich fundierte Futterpläne nach den offiziellen europäischen Ernährungsleitlinien für Heimtiere (FEDIAF) – vom sensiblen Welpen bis zum Senior. Wenn du mehr über Kathrin erfahren möchtest, oder eine individuelle und kostenlose Ernährungsberatung erhalten willst, klicke hier.