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Katzenfutter Portionen richtig bestimmen

Mehr zum Thema Ernährung findest du hier.

Lesedauer 14 min · Veröffentlicht am
Wie bestimme ich Katzenfutter Portionen richtig?

Zehn Mäuse. So viele müsste deine Katze draußen jeden Tag fangen, um satt zu werden. Jede Maus liefert rund 30 Kilokalorien, das hat die Organisation International Cat Care in ihrem Fütterungsreport zusammengetragen. Macht etwa 300 Kilokalorien am Tag.

Im Napf sieht dieselbe Energiemenge erstaunlich unspektakulär aus: rund 85 Gramm Trockenfutter oder 350 Gramm Nassfutter. Genau hier passieren die meisten Fütterungsfehler. Nicht beim Was, sondern beim Wie viel.

Was Katzen grundsätzlich brauchen, steht in unserem Ernährungsleitfaden für Katzen. Hier geht es um die Zahl, die du jeden Tag in der Hand hast: die Gramm im Napf.

Wie viel Futter braucht eine Katze am Tag?

Eine ausgewachsene Katze mit 4 Kilogramm Körpergewicht braucht am Tag etwa 200 bis 280 Kilokalorien. Das entspricht grob 235 bis 325 Gramm Nassfutter oder 55 bis 80 Gramm Trockenfutter. Wo deine Katze in dieser Spanne liegt, entscheiden vor allem ihr Idealgewicht, ihre Aktivität, ihr Alter und die Frage, ob sie kastriert ist.

Eine Zahl für alle Katzen gibt es nicht. Es gibt aber eine Rechnung, mit der du die Menge für deine Katze sauber eingrenzt. Sie dauert zwei Minuten.

Katze vor ihrem Napf: Die richtige Futtermenge hängt von Gewicht, Aktivität und Alter ab

Kalorienbedarf der Katze berechnen: die RER-Formel

Der Kalorienbedarf einer Katze wird in der Tiermedizin über den Ruheenergiebedarf berechnet, kurz RER (Resting Energy Requirement). Die Formel lautet: 70 mal Körpergewicht in Kilogramm hoch 0,75. So steht sie auch in den Ernährungsleitlinien der American Animal Hospital Association. Für eine 4 Kilogramm schwere Katze ergibt das rund 200 Kilokalorien.

Der RER ist nur der Grundumsatz in Ruhe. Den tatsächlichen Tagesbedarf bekommst du, wenn du ihn mit einem Faktor für die Lebenssituation multiplizierst. Die Pet Nutrition Alliance, ein Zusammenschluss tiermedizinischer Fachverbände, nennt dafür diese Richtwerte:

Lebenssituation Faktor auf den RER
Neigt zu Übergewicht oder bewegt sich sehr wenig 1,0
Kastrierte erwachsene Katze 1,2
Unkastrierte erwachsene Katze 1,4
Kitten im Wachstum 2,0 bis 3,0

Wichtig ist der Satz, den dieselbe Quelle gleich mitliefert: Das Ergebnis ist eine Schätzung. Einzelne Tiere können um bis zu 50 Prozent davon abweichen. Die Rechnung gibt dir also den Startpunkt. Ob er passt, zeigt dir deine Katze in den Wochen danach.

Und noch ein Punkt, der oft untergeht: Gerechnet wird mit dem Idealgewicht, nicht mit dem aktuellen Gewicht. Wer bei einer zu schweren Katze die 6,5 Kilogramm von der Waage einsetzt, füttert das Übergewicht einfach weiter.

Futtermenge nach Gewicht: Tabelle für Nass- und Trockenfutter

Die tägliche Futtermenge einer Katze ergibt sich, wenn du ihren Kalorienbedarf durch den Energiegehalt des Futters teilst. Für die Tabelle rechnen wir mit 85 Kilokalorien pro 100 Gramm Nassfutter und 350 Kilokalorien pro 100 Gramm Trockenfutter. Die Spanne reicht von Faktor 1,0 bis 1,4. Zum Abgleich steht daneben der Richtwert der World Small Animal Veterinary Association (WSAVA).

Idealgewicht Bedarf pro Tag (RER mal 1,0 bis 1,4) WSAVA-Richtwert Nassfutter pro Tag Trockenfutter pro Tag
2 kg 120 bis 165 kcal 160 bis 170 kcal 140 bis 195 g 35 bis 45 g
3 kg 160 bis 225 kcal 200 bis 210 kcal 190 bis 265 g 45 bis 65 g
4 kg 200 bis 280 kcal 225 bis 250 kcal 235 bis 325 g 55 bis 80 g
5 kg 235 bis 330 kcal 250 bis 290 kcal 275 bis 385 g 65 bis 95 g
6 kg 270 bis 375 kcal 265 bis 330 kcal 315 bis 440 g 75 bis 105 g
7 kg 300 bis 420 kcal 280 bis 370 kcal 355 bis 495 g 85 bis 120 g

Die Gramm-Angaben stehen und fallen mit deinem Futter. Nassfutter schwankt je nach Sorte deutlich im Energiegehalt, Trockenfutter ebenfalls. Steht der Energiegehalt auf der Verpackung, rechne mit diesem Wert statt mit unserem Durchschnitt. Steht er nicht drauf, frag beim Hersteller nach. Eine seriöse Marke kann dir die Zahl nennen.

Rechenbeispiel: Futtermenge für eine 5 kg schwere Katze

Eine kastrierte, erwachsene Katze mit 5 Kilogramm Idealgewicht braucht rund 280 Kilokalorien am Tag. Der Rechenweg: 70 mal 5 hoch 0,75 ergibt einen RER von 234 Kilokalorien. Mal Faktor 1,2 für kastrierte Katzen sind das 281 Kilokalorien. Das entspricht etwa 330 Gramm Nassfutter oder 80 Gramm Trockenfutter.

Auf dem Handy geht das so: 5 eingeben, die Taste für Potenzen drücken, 0,75 eingeben, dann mal 70. Danach mal 1,2. Fertig.

Hält deine Katze mit dieser Menge ihr Gewicht, hast du ihren Bedarf getroffen. Nimmt sie über einige Wochen zu, war der Faktor zu hoch. Dann gehst du in kleinen Schritten runter, nicht in großen.

Nass- und Trockenfutter mischen: so rechnest du richtig

Bei Mischfütterung wird der Kalorienbedarf der Katze auf beide Futterarten aufgeteilt, nicht die Gramm. Soll die 5-Kilo-Katze aus dem Beispiel 70 Prozent ihrer Energie aus Nassfutter bekommen, sind das 197 Kilokalorien oder rund 230 Gramm. Die restlichen 84 Kilokalorien entsprechen gerade einmal 24 Gramm Trockenfutter.

24 Gramm. Das ist eine kleine Handvoll. Genau deshalb geht Mischfütterung so oft schief: Wer die volle Nassfutter-Portion gibt und dazu „ein bisschen Trockenfutter“ stehen lässt, landet schnell bei 130 Prozent des Bedarfs. Warum die Energiedichte so unterschiedlich ist, erklären wir im Artikel über Nassfutter, Trockenfutter und ihre Unterschiede.

Abgewogene Portion Katzenfutter: Bei Mischfütterung werden die Kalorien aufgeteilt, nicht die Gramm

Kitten, kastrierte Katzen und Senioren: wann sich die Futtermenge ändert

Die Futtermenge einer Katze ändert sich im Lauf ihres Lebens mindestens dreimal deutlich: im Wachstum, nach der Kastration und im hohen Alter. Wer an diesen Punkten nicht neu rechnet, füttert an der Katze vorbei. Wie sich das Futter selbst mit den Lebensphasen verändert, liest du im Artikel Katzenfutter nach Alter.

Kitten

Kitten haben den höchsten Energiebedarf ihres Lebens. Laut den Lebensphasen-Leitlinien von AAHA und AAFP braucht ein Kitten mit zehn Wochen rund 200 Kilokalorien pro Kilogramm Körpergewicht am Tag. Mit zehn Monaten sind es noch 80. Ein Kitten wird deshalb nicht knapp gehalten, sondern häufig gefüttert und regelmäßig gewogen.

Kastrierte Katzen

Nach der Kastration sinkt der Energiebedarf spürbar. In einer Studie mit 22 kastrierten Kätzinnen lag der Bedarf für ein stabiles Idealgewicht rund 25 Prozent unter der damaligen Empfehlung. Gleichzeitig steigt bei vielen Katzen der Appetit. Diese Kombination ist der Grund, warum die Monate nach der Kastration über die Figur der nächsten Jahre entscheiden. Rechne direkt nach dem Eingriff neu.

Senioren

Bei älteren Katzen läuft es anders, als die meisten denken. Zwischen 7 und 10 Jahren reicht vielen Katzen laut AAHA und AAFP ein Bedarf nahe am RER. Ab etwa 10 Jahren dreht sich das: Viele Senioren verwerten ihr Futter schlechter und brauchen 10 bis 25 Prozent mehr Energie, um ihr Gewicht zu halten. Untergewicht ist bei alten Katzen das häufigere Problem.

Verliert deine ältere Katze Gewicht, obwohl sie frisst wie immer, kürzt du nichts und wartest nicht ab. Das gehört in die Tierarztpraxis. Mehr dazu im Artikel über Untergewicht bei Katzen.

Wie oft am Tag sollte eine Katze fressen?

Eine Katze sollte ihre Tagesration in mehreren kleinen Portionen bekommen. International Cat Care empfiehlt mindestens fünf, verteilt über 24 Stunden. Der Grund sind die zehn Mäuse vom Anfang: Katzen sind auf viele kleine Mahlzeiten ausgelegt, nicht auf zwei große.

Die American Association of Feline Practitioners sieht das genauso und ergänzt einen Punkt, der in Mehrkatzenhaushalten viel Stress erklärt: Katzen fressen am liebsten allein. Mehrere Futterplätze ohne Sichtkontakt helfen oft mehr als jedes Spezialfutter.

Wichtig für die Rechnung: Mehr Mahlzeiten heißt nicht mehr Futter. Du wiegst die Tagesmenge einmal morgens ab und teilst sie auf. Wie das mit einem normalen Arbeitstag zusammenpasst, zeigt der Artikel Wie oft sollte man eine Katze füttern?.

Woran erkennst du, dass die Futtermenge stimmt?

Ob die Futtermenge deiner Katze stimmt, erkennst du an zwei Dingen: an der Waage und an deinen Händen. Tierärzte nutzen dafür den Body Condition Score, kurz BCS, eine Skala von 1 bis 9. Ideal ist die 5: Die Rippen sind unter einer dünnen Fettschicht gut zu fühlen. Von oben siehst du hinter den Rippen eine Taille.

Die BCS-Tafel der WSAVA zeigt alle neun Stufen mit Bildern. Ein BCS von 6 oder 7 gilt als übergewichtig, ab 8 sprechen Tierärzte von Adipositas. Jeder Punkt über der 5 steht für etwa 5 Prozentpunkte mehr Körperfett.

Wiege deine Katze einmal im Monat. Am einfachsten geht das mit dir zusammen auf der Personenwaage: erst mit Katze auf dem Arm, dann ohne. Notiere den Wert. Ein einzelnes Wiegen sagt wenig, die Linie über drei Monate sagt alles.

Katze beim Fressen: Ob die Portion passt, zeigen Gewicht und Körperform über mehrere Wochen

Die häufigsten Fehler bei der Futtermenge

Die meisten Fehler bei der Futtermenge haben nichts mit dem Futter zu tun, sondern mit dem Abmessen. Fünf davon sehen wir immer wieder.

Messbecher statt Küchenwaage

Ein Messbecher ist ein Schätzwerkzeug. Je nachdem, wie voll du ihn machst, liegen schnell 10 bis 20 Prozent Unterschied zwischen zwei Portionen. Bei 60 Gramm Trockenfutter am Tag ist das die Differenz zwischen Gewicht halten und langsam zunehmen. Eine Küchenwaage kostet wenig und beendet das Raten.

Der Napf ist immer voll

Manche Katzen regulieren sich selbst, viele nicht. Die AAHA nennt den dauerhaft gefüllten Napf ausdrücklich als Risiko für Überfressen. Wenn du Futter stehen lassen willst, dann die abgewogene Tagesration und nicht mehr.

Snacks zählen nicht mit

Leckerlis, Pasten und der Happen vom Tisch gehören in die Rechnung. Die AAHA-Leitlinien setzen die Grenze bei höchstens 10 Prozent der Tageskalorien. Bei einer 4-Kilo-Katze sind das 20 bis 28 Kilokalorien. Das ist weniger, als die meisten Snack-Packungen vermuten lassen.

Gramm eins zu eins zwischen Nass und Trocken tauschen

100 Gramm Trockenfutter liefern etwa so viel Energie wie 400 Gramm Nassfutter. Wer beim Wechsel die Grammzahl beibehält, vervierfacht die Kalorien oder viertelt sie. Beim Umstieg selbst hilft dir unsere Anleitung zum Katzenfutter umstellen.

Abnehmen durch radikales Kürzen

Eine zu schwere Katze nimmt nicht gesund ab, indem du ihr normales Futter halbierst. Dabei fehlen schnell Vitamine und Mineralstoffe, davor warnen die AAHA-Leitlinien ausdrücklich. International Cat Care nennt etwa 1 Prozent des Körpergewichts pro Woche als sicheres Tempo. Ein Abnehmplan gehört in tierärztliche Begleitung.

Häufige Fragen zur Futtermenge bei Katzen

Was ist die ideale Ernährung für Katzen?

Die ideale Ernährung für Katzen liefert viel tierisches Protein, ausreichend Taurin, wenig Kohlenhydrate und genau so viele Kalorien, wie die einzelne Katze verbraucht. Der letzte Teil wird am häufigsten vergessen. Auch ein sehr gutes Futter macht dick, wenn die Menge nicht stimmt. Deshalb gehören Zusammensetzung und abgewogene Tagesration immer zusammen.

Was und wie oft sollte man eine Katze füttern?

Eine Katze sollte ein Alleinfuttermittel bekommen, das zu ihrem Alter passt, aufgeteilt in mehrere kleine Portionen am Tag. International Cat Care empfiehlt mindestens fünf. Die Tagesmenge bleibt dabei gleich, sie wird nur verteilt. Kitten brauchen besonders häufige Mahlzeiten, weil ihr Energiebedarf pro Kilogramm Körpergewicht mehr als doppelt so hoch ist wie bei erwachsenen Katzen.

Was ist die 3-3-3-Regel für Katzen?

Die 3-3-3-Regel für Katzen hat nichts mit der Futtermenge zu tun. Sie ist eine Faustregel für die Eingewöhnung einer neuen Katze: etwa drei Tage, bis sie sich aus dem Versteck traut, drei Wochen, bis sich Routinen einspielen, drei Monate, bis sie sich zu Hause fühlt. Für die Futtermenge gilt die Rechnung über Idealgewicht, Aktivität und Kastrationsstatus.

Welches Futter eignet sich bei Pankreatitis?

Bei Pankreatitis empfiehlt das Konsensus-Papier des American College of Veterinary Internal Medicine für Katzen hochverdauliche Diäten. Eine strikte Fettreduktion wie beim Hund hält die Mehrheit der Fachleute bei Katzen nicht für nötig, weil Belege dafür fehlen. Entscheidend ist, dass die Katze früh wieder frisst. Welches Futter passt, legt die behandelnde Tierarztpraxis fest.

Die Formel liefert den Start, die Waage die Wahrheit

Keine Tabelle kennt deine Katze. Die Rechnung bringt dich in die richtige Größenordnung, mehr kann sie nicht. Den Rest erledigen eine Küchenwaage für das Futter, eine Personenwaage für die Katze und ein Zettel am Kühlschrank.

Klingt unromantisch. Aber draußen würde deine Katze für dieselben 300 Kilokalorien zehnmal jagen gehen. Da ist es nur fair, wenn du für ihren Napf einmal am Tag zwei Minuten rechnest. Frisst sie plötzlich deutlich weniger oder gar nicht mehr, ist das kein Mengenproblem. Dann lies bitte direkt bei Katze frisst nicht weiter.

Quellen

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