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Eurasier

Lesedauer 14 min
Eurasier mit dichtem wolfsgrauem Fell sitzt im Herbst an einem See und blickt aufmerksam in die Kamera

Fast jeder Hund wurde für eine Aufgabe gezüchtet. Der Border Collie treibt Schafe, der Dackel geht in den Bau, der Labrador apportiert bis er umkippt. Der Eurasier wurde für nichts davon gezüchtet. Er ist eine der ganz wenigen Rassen, die ein Mensch bewusst erfunden hat, damit sie einfach nur zur Familie gehört. Kein Jagdtrieb, kein Wachauftrag. Nimm einem Hund jede Arbeit weg, und übrig bleibt der Eurasier.

Am deutlichsten zeigt sich das bei Fremden. Ein Eurasier fällt Besuch nicht um den Hals. Er setzt sich daneben und schaut erst einmal, wer da in sein Wohnzimmer kommt. Diese Zurückhaltung ist kein Erziehungsfehler, sie steht wörtlich im Rassestandard. Zu seinen eigenen Leuten ist er der Gegenentwurf: kein Hund liest die Stimmung im Raum so genau und hängt so unaufdringlich an seinen Menschen. Genau diese Doppelnatur macht ihn besonders. Und ein bisschen anspruchsvoll.

Steckbrief: Eurasier

  • Größe: Rüden 52 bis 60 cm, Hündinnen 48 bis 56 cm Widerristhöhe
  • Gewicht: Rüden 23 bis 32 kg, Hündinnen 18 bis 26 kg
  • Lebenserwartung: 12 bis 14 Jahre
  • Herkunft: Deutschland
  • FCI-Gruppe: Gruppe 5, Sektion 5 (Asiatische Spitze und verwandte Rassen), Standard Nr. 291
  • Fell: mittellang, lose anliegendes Grannenhaar mit dichter Unterwolle
  • Farben: fast alle Farben und Kombinationen erlaubt, ausgenommen reinweiß, weißgescheckt und leberfarben
  • Bewegungsbedarf: mittel (ein bis zwei Stunden täglich, kein Ausdauersportler)
  • Anfängergeeignet: ja, mit Konsequenz und viel Präsenz
  • Verträglich mit Kindern: ja
  • Verträglich mit anderen Hunden: ja, meist unkompliziert
  • Ernährungsbesonderheiten: robuster Magen, profitiert von getreidefreiem Futter mit Omega-3 für Fell und Gelenke

Wie groß wird ein Eurasier?

Der Eurasier ist ein mittelgroßer Hund. Rüden erreichen 52 bis 60 cm Widerristhöhe und wiegen 23 bis 32 kg, Hündinnen bleiben mit 48 bis 56 cm und 18 bis 26 kg etwas zierlicher. Ausgewachsen ist er damit ungefähr kniehoch und kräftig gebaut, ohne schwer zu wirken. Sein dichtes Doppelhaar lässt ihn oft massiger aussehen, als er unter dem Fell tatsächlich ist.

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Charakter und Wesen

Der Eurasier ist ein ruhiger, souveräner Hund, der eng an seiner Familie hängt und Fremden gegenüber zurückhaltend bleibt. Er drängt sich nicht auf, er sucht keine Bestätigung bei jedem, der den Raum betritt. Wer einen Hund erwartet, der jeden Gast anhimmelt, wird zuerst irritiert sein.

Diese Reserve wird oft mit Schüchternheit verwechselt. Das ist sie nicht. Ein gut sozialisierter Eurasier ist selbstsicher, er hat nur kein Bedürfnis, Fremde zu bespaßen. Ja, es gibt Eurasier, die jeden Besucher anstupsen. Es gibt auch Hunde, die freiwillig baden gehen. Beide sind die Ausnahme.

Im Inneren des Rudels dreht sich das Bild komplett. Der Eurasier liest Stimmungen erstaunlich genau und passt sich an. Ist im Haus Ruhe, liegt er ruhig. Wird es lebhaft, ist er dabei. Er trägt selten nach, reagiert aber empfindlich auf einen harschen Ton. Wer ihn anschreit, verliert ihn für den Moment, statt ihn zu erreichen.

Herkunft und Geschichte

Der Eurasier ist eine der jüngsten deutschen Hunderassen, ab 1960 gezielt als reiner Familienhund gezüchtet. Der Rassegründer Julius Wipfel wollte einen Hund mit dem ausgeglichenen Wesen nordischer Rassen und der Bindung des Chow-Chow, ohne dessen Eigensinn in Reinform.

Er kreuzte dafür Chow-Chow und Wolfspitz und nannte das Ergebnis zunächst Wolf-Chow. 1973 kam der Samojede dazu, und die Rasse bekam ihren heutigen Namen, zusammengesetzt aus Europa und Asien. Im selben Jahr erkannte die FCI sie an. Bemerkenswert ist, wofür der Eurasier gezüchtet wurde, nämlich für nichts außer der Familie. Er hat keinen Jagd-, Hüte- oder Wachauftrag im Blut, und das erklärt viel an seinem heutigen Verhalten.

Haltung und Auslastung

Der Eurasier braucht vor allem den Anschluss an seine Menschen und moderate, abwechslungsreiche Bewegung statt eines Sportprogramms. Er ist ausdrücklich kein Hund für den Zwinger oder den Garten. Ein Eurasier, der von seiner Familie getrennt draußen leben muss, verkümmert seelisch.

Beim Auslauf reichen ihm ein bis zwei Stunden am Tag, gern mit Nasenarbeit und Wegen, die nicht jeden Tag gleich aussehen. Er läuft auch beim Wandern gut mit, muss aber kein Fahrrad neben sich herrennen. Sein dichtes Fell macht ihm Kälte wenig aus. Hitze dagegen setzt ihm zu, im Hochsommer gehören die längeren Runden in den frühen Morgen.

Die Fellpflege ist ehrlicherweise kein Nebenbei-Job. Zweimal pro Woche bürsten hält das Fell in Ordnung. Während des Fellwechsels im Frühjahr und Herbst verliert er seine Unterwolle in Mengen, die einen das erste Mal erschrecken. Dann hilft nur tägliches Bürsten.

Erziehung

Die Erziehung des Eurasiers ist mittelschwer: Er lernt gern, denkt aber mit und macht nur mit, was für ihn Sinn ergibt. Stures Drillen funktioniert nicht. Er braucht klare, faire Regeln und einen Menschen, der ruhig bei seiner Linie bleibt, statt laut zu werden. Wie in der gesamten Hundeerziehung zählt bei ihm Wiederholung mehr als Strenge.

Der wichtigste Punkt kommt früh. Weil der Eurasier von Natur aus distanziert zu Fremden ist, entscheidet die Sozialisierung im Welpenalter, ob aus dieser gesunden Reserve später Souveränität oder Unsicherheit wird. Ein Welpe, der viele Menschen, Geräusche und Situationen positiv kennenlernt, wird ein gelassener Hund. Ein abgeschottet aufgewachsener Eurasier kann ängstlich werden. Zwing ihn dabei nie zum Kontakt mit Fremden, lass ihn selbst entscheiden, wann er näher kommt.

Gesundheit und typische Krankheiten

Der Eurasier gilt als robust, hat aber einige rassetypische Erkrankungen, auf die verantwortungsvolle Züchter ihre Zuchttiere untersuchen lassen. Frag beim Kauf gezielt nach den Befunden der Elterntiere.

Hüftgelenksdysplasie (HD)

Bei der Hüftgelenksdysplasie, kurz HD, ist das Hüftgelenk fehlgebildet, sodass Gelenkkopf und Pfanne nicht sauber ineinanderpassen. Das führt mit den Jahren zu Arthrose und Schmerzen. HD ist teilweise erblich, seriöse Züchter röntgen ihre Zuchttiere und verpaaren nur Hunde mit guten Befunden.

Patellaluxation

Bei der Patellaluxation springt die Kniescheibe aus ihrer Gleitrinne. Betroffene Hunde entlasten dann kurz ein Hinterbein oder hüpfen ein paar Schritte. Leichte Formen bleiben oft unbemerkt, stärkere brauchen eine Operation. Auch hierauf lassen gute Züchter untersuchen.

Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)

Bei der Schilddrüsenunterfunktion produziert die Schilddrüse zu wenig Hormone. Typische Zeichen sind Antriebslosigkeit, Gewichtszunahme trotz normaler Fütterung und stumpfes, schütteres Fell. Sie lässt sich über einen Bluttest sicher feststellen und mit täglichen Tabletten gut behandeln. Wichtig ist, sie überhaupt in Betracht zu ziehen, denn die Symptome werden leicht dem Alter zugeschrieben.

Ernährung

Der Eurasier braucht ein ausgewogenes, gut verdauliches Futter mit moderatem Fettgehalt, das Fell und Gelenke unterstützt, ohne ihn zu mästen. Weil er sich nur mäßig bewegt, setzt er bei zu großen Portionen schnell an, und jedes Kilo zu viel belastet die ohnehin gefährdeten Gelenke zusätzlich. Die Menge ist bei dieser Rasse fast wichtiger als die Sorte. Ein hochwertiges getreidefreies Trockenfutter mit klarer Portionsangabe hilft, das Gewicht im Blick zu behalten.

Sein dichtes Fell und die HD-Neigung machen Omega-3-Fettsäuren zu einem echten Thema. Sie unterstützen Haut und Fell und wirken entzündungshemmend in den Gelenken. Ein getreidefreies Futter mit einer klar erkennbaren Fleischquelle kommt seinem robusten, aber gelegentlich empfindlichen Magen entgegen. Worauf es bei getreidefreiem Hundefutter ankommt, haben wir an anderer Stelle ausführlich erklärt.

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Eurasier-Welpen kaufen: worauf du achten solltest

Einen Eurasier-Welpen solltest du nur bei einem Züchter kaufen, der einem anerkannten Zuchtverein angehört und die Elterntiere auf die rassetypischen Krankheiten untersuchen lässt. Verlange die Befunde zu den Hüften und zur Schilddrüse und lass sie dir zeigen, bevor du dich festlegst.

Ein seriöser Wurf wächst mitten im Haus auf und nicht im Zwinger. Die Welpen sollten in den ersten Wochen schon Alltag mit Menschen und Alltagsgeräuschen erlebt haben, denn gerade beim zurückhaltenden Eurasier legt diese frühe Prägung den Grundstein für einen souveränen erwachsenen Hund. Rechne mit 1.500 bis 2.000 Euro für einen Welpen mit Papieren. Das ist der faire Gegenwert für gesundheitlich getestete Eltern und eine gute Aufzucht, günstige Angebote ohne Papiere sparst du am falschen Ende.

Wenn du unsicher bist, wie du den Welpen von Anfang an richtig fütterst, hilft dir eine kostenlose Futterberatung weiter.

Für wen ist der Eurasier geeignet?

Der Eurasier passt zu Menschen, die viel zu Hause sind und einen ruhigen, treuen Begleiter ohne Jagd- oder Wachtrieb suchen. Familien tut er gut, weil er Kinder gelassen nimmt und im Alltag wenig Wirbel macht. Auch für aufmerksame Ersthalter ist er geeignet, solange sie zur Konsequenz bereit sind.

Weniger glücklich wirst du mit ihm, wenn du den ganzen Tag außer Haus bist, denn er braucht enge Gesellschaft. Auch wer einen Hund erwartet, der jeden Fremden sofort anhimmelt, liegt falsch. Und für einen sportlichen Dauerläufer fürs Fahrrad ist der Eurasier ebenfalls die falsche Wahl. Er ist ein Begleiter fürs Zusammenleben, kein Arbeitsgerät und kein Sportpartner.

Welche Nachteile hat der Eurasier?

Der größte Nachteil des Eurasiers ist seine enge Bindung: Er erträgt langes Alleinsein schlecht und passt nicht zu Menschen, die den ganzen Tag außer Haus sind. Wer ihn regelmäßig für viele Stunden allein lässt, wird ihn unglücklich machen.

Dazu kommt das Haaren. Zweimal im Jahr wirft er seine dichte Unterwolle in Büscheln ab. Ohne tägliches Bürsten liegt sie dann in der ganzen Wohnung. Sein dichtes Fell macht ihm außerdem Hitze zu schaffen, im Hochsommer wird er träge und braucht Schatten. Und die frühe Sozialisierung kostet Zeit und Konsequenz, ohne die aus seiner Zurückhaltung leicht Unsicherheit wird. Nichts davon ist ein Ausschlusskriterium, aber du solltest es vor dem Kauf wissen.

Häufige Fragen zum Eurasier

Ist der Eurasier für Anfänger geeignet?

Ja, der Eurasier ist grundsätzlich anfängergeeignet, wenn zwei Dinge stimmen. Du musst viel zu Hause sein, denn er braucht engen Familienanschluss, und du musst bereit sein, konsequent und ruhig zu erziehen. Er ist kein Hund, der stures Kommandotraining mag, sondern faire, nachvollziehbare Regeln. Wer ihm das bietet und die Sozialisierung im Welpenalter ernst nimmt, kommt auch als Ersthalter gut mit ihm zurecht.

Wie viel kostet ein Eurasier?

Ein Welpe von einem seriösen Züchter mit Papieren kostet in Deutschland meist zwischen 1.500 und 2.000 Euro. In diesem Preis stecken die Gesundheitsuntersuchungen der Elterntiere, eine gute Aufzucht und die Zuchtarbeit im Verein. Auffällig günstige Angebote ohne Papiere und ohne HD- oder Schilddrüsenbefunde solltest du meiden. Dazu kommen laufende Kosten für Futter, Tierarzt, Versicherung und Ausstattung über das ganze Hundeleben.

Für wen ist ein Eurasier geeignet?

Der Eurasier ist der richtige Hund für Menschen, die einen ruhigen, anhänglichen Begleiter suchen und ihm Zeit und Nähe geben können. Er passt zu Familien, zu Paaren und zu Einzelpersonen, solange jemand einen Großteil des Tages zu Hause ist. Er braucht keinen Hundesport auf Wettkampfniveau, aber tägliche Bewegung und geistige Beschäftigung. Wer einen unkomplizierten Familienhund ohne Jagd- und Wachtrieb möchte, ist bei ihm richtig.

Kann man einen Eurasier alleine lassen?

Ein Eurasier kann lernen, einige Stunden allein zu bleiben, aber er ist ausdrücklich kein Hund für lange Alleinzeiten. Er ist stark auf seine Menschen bezogen und leidet unter dauerhafter Einsamkeit. Mit ruhigem, schrittweisem Training gewöhnt sich ein erwachsener Eurasier an drei bis vier Stunden allein. Ein Vollzeitjob ohne Betreuung tagsüber passt dagegen nicht zu dieser Rasse.

Der Besuch, der zur Tür hereinkommt, hält den Eurasier vielleicht für distanziert. Das ist er auch, für die ersten Minuten. Wer mit ihm lebt, kennt den anderen Hund: den, der im selben Raum liegt wie du, der jede Stimmung mitbekommt und der seine Menschen über Jahre nicht aus den Augen lässt. Gib ihm Nähe und eine faire Erziehung, dazu einen Züchter, der auf Gelenke und Schilddrüse schaut. Dann bekommst du genau den Hund, für den er einst gezüchtet wurde.

Autor Kathrin Trusic
Kathrin Trušnic

Hundeernährungsexpertin

Kathrin Trušnic ist zertifizierte Hundeernährungsberaterin und leitet bei Irish Pure die individuelle Ernährungsberatung. Mit über zehn Jahren Praxis erstellt sie wissenschaftlich fundierte Futterpläne nach den offiziellen europäischen Ernährungsleitlinien für Heimtiere (FEDIAF) – vom sensiblen Welpen bis zum Senior. Wenn du mehr über Kathrin erfahren möchtest, oder eine individuelle und kostenlose Ernährungsberatung erhalten willst, klicke hier.

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