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Verstopfung bei Katzen

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Lesedauer 13 min
Verstopfung bei Katzen

70 % der Katzen, die wegen Verstopfung zum Tierarzt kommen, sind Kater. Warum das so ist, weiß die Veterinärmedizin bis heute nicht genau. Was sie weiß: Verstopfung bei Katzen ist häufiger als gedacht, oft harmlos im Ursprung, aber gefährlich wenn man es ignoriert. Und die Behandlung hängt davon ab, was dahinter steckt. Das macht einen Unterschied, der im schlimmsten Fall über eine Operation entscheidet.

Verstopfung bei Katzen – Flüssigkeitsmangel gehört zu den häufigsten Ursachen

Was ist eine Verstopfung?

Von Verstopfung spricht man, wenn der Kot zu hart und trocken ist, die Katze beim Absetzen sichtbar Mühe hat oder der Stuhlgang seltener als normal stattfindet. Der Fachbegriff lautet Konstipation. Nimmt das Problem chronischen Charakter an und schlagen mehrere Behandlungsversuche fehl, sprechen Tierärzte von Obstipation. Im schlimmsten Fall kann der Darm den Inhalt gar nicht mehr weitertransportieren, das ist dann die Koprostase.

Gemeinsam haben alle drei: Der Kot bleibt zu lange im Dickdarm, ihm wird immer mehr Wasser entzogen, er wird fester und das Absetzen wird noch schwerer. Ein Kreislauf, der sich ohne Eingreifen selbst verstärkt. Wichtig zu verstehen: Verstopfung ist ein Symptom, keine eigenständige Krankheit. Die Ursache zu finden ist entscheidend, weil die Behandlung davon abhängt.

Häufige Ursachen für Verstopfung bei Katzen

In den meisten Fällen liegt die Ursache in Ernährung, Flüssigkeitsaufnahme oder Bewegungsmangel. Darüber hinaus gibt es aber einige Auslöser, die im Alltag leicht übersehen werden.

Zu wenig Flüssigkeit

Katzen sind von Natur aus schlechte Trinker. Ihr Körper ist darauf ausgelegt, Feuchtigkeit über die Nahrung aufzunehmen, nicht über die Wasserschüssel. Wer seine Katze hauptsächlich mit Trockenfutter füttert, muss deshalb aktiv dafür sorgen, dass sie genug trinkt. Tut sie das nicht, wird der Kot im Darm trockener und fester als er sein sollte.

Ballaststoffarme oder schlechte Ernährung

Quellfähige Pflanzenfasern binden Feuchtigkeit im Darminhalt und erhöhen sein Volumen, was die Darmmuskulatur stimuliert, alles voranzutreiben. Fehlen diese Ballaststoffe, wird der Transport träge. Minderwertiges Futter mit vielen unverdaulichen Bestandteilen kann das Problem verstärken.

Haarballen

Beim Putzen nehmen Katzen ständig Haare auf. Die meisten kommen über den Darm wieder heraus oder werden erbrochen. Sammeln sich aber zu viele Haare im Magen-Darm-Trakt, können sie die Passage behindern. Besonders betroffen sind langhaarige Rassen und Katzen im Fellwechsel.

Bewegungsmangel

Körperliche Aktivität regt die Darmperistaltik an, also die Muskelbewegungen, die den Darminhalt vorwärts transportieren. Wohnungskatzen mit wenig Beschäftigung haben häufiger eine träge Verdauung als Katzen mit Freigang.

Übergewicht

Übergewicht wirkt gleich doppelt: Es verlangsamt die Darmtätigkeit direkt und fördert Bewegungsmangel. Beides zusammen macht Verstopfung wahrscheinlicher.

Stress und eine schmutzige Katzentoilette

Dieser Auslöser wird häufig unterschätzt. Katzen sind in dieser Hinsicht eigenwillig: Ist die Toilette nicht sauber genug, ist der Ort zu unruhig oder fühlt die Katze sich in ihrer Umgebung unwohl, stellt sie den Kotabsatz einfach ein. Umzüge, Familienzuwachs, Mehrkatzenhaushalt oder auch eine Katzenpension können solche Stressauslöser sein.

Schmerzen beim Hinsetzen

Ältere Katzen leiden häufig an Arthrose, besonders in den Hintergliedmaßen und im Becken. Wer sich beim Hinsetzen auf die Toilette Schmerzen bereitet, drückt das auf seine eigene Art aus: Er geht seltener hin. Auch Verletzungen oder Entzündungen im Analbereich können den Kotabsatz zur Qual machen.

Erkrankungen und Medikamente

Chronische Nierenerkrankung, Schilddrüsenprobleme, Diabetes, Tumore oder ein schlecht verheilter Beckenknochen nach einem Unfall, sie alle können Verstopfung verursachen. Bestimmte Medikamente, darunter Opioide und einige Beruhigungsmittel, bremsen die Darmbewegung ebenfalls. In solchen Fällen ist die Verstopfung immer nur Symptom einer zugrunde liegenden Erkrankung.

Abgeschlagene Katze mit Verstopfung liegt flach auf dem Boden

Symptome: Woran du Verstopfung erkennst

Das offensichtlichste Anzeichen ist ein leeres Katzenklo. Wer das täglich reinigt, bemerkt Veränderungen schnell. Bei Freigängern ist das schwieriger. Weitere typische Anzeichen sind hartes, trockenes Kot in kleinen Ballen, sichtbares Pressen auf der Toilette ohne Ergebnis, Unruhe oder Schmerzlaute, Appetitlosigkeit und in schweren Fällen Erbrechen.

Ein scheinbares Paradox: Manchmal entwickeln Katzen mit Verstopfung schleimigen Durchfall. Die harten Kotballen reizen die Darmschleimhaut, die dann vermehrt Schleim produziert. Das sieht nach Durchfall aus, ist aber Zeichen einer Verstopfung.

Wichtig: Prüfe im Zweifel, ob deine Katze überhaupt noch Urin absetzt. Pressen auf der Toilette ohne Ergebnis kann auch auf eine Harnwegsverstopfung hindeuten, besonders bei Katern. Das ist ein echter Notfall und nicht dasselbe wie Verstopfung.

Wie lange darf eine Katze ohne Stuhlgang bleiben?

Normalerweise dauert die Passage durch den Magen-Darm-Trakt der Katze 12 bis 24 Stunden. Die meisten Katzen setzen also täglich Kot ab, manche auch nur alle ein bis zwei Tage, ohne dass das ein Problem ist. Wer sein Tier kennt, weiß was normal ist.

Spätestens nach 48 Stunden ohne Kotabsatz sollte man genauer hinschauen. Kommen weitere Symptome dazu, Erbrechen, Apathie, Schmerzen, sichtbarer Leidensdruck, sollte man nicht bis zu dieser Grenze warten. Unbehandelt kann eine Verstopfung zu ernsthaften Schäden am Darm führen, in schlimmsten Fällen bis hin zu einem Megakolon, einem krankhaft erweiterten Dickdarm, aus dem sich die Muskulatur nicht mehr erholt.

Was hilft bei Verstopfung bei Katzen?

Die Maßnahme hängt von der Schwere und der Ursache ab. Bei einer unkomplizierten, ernährungsbedingten Verstopfung helfen oft einfache Anpassungen. Bei einer ernsthafteren Ursache ist der Tierarzt gefragt.

Flüssigkeitsaufnahme erhöhen

Mehr Feuchtigkeit im Darm ist in den meisten Fällen der wichtigste Hebel. Mehrere Wassernäpfe an verschiedenen Stellen, ein Trinkbrunnen, der fließendes Wasser simuliert, oder die Umstellung auf Nassfutter können die Situation deutlich verbessern. Nassfutter enthält 70 bis 80 Prozent Wasser, Trockenfutter nur etwa 10 Prozent.

Ernährung anpassen

Ballaststoffe helfen der Darmmuskulatur, in Gang zu bleiben. Das gilt aber für Katzen ohne Megakolon. Wer einen solchen Fall hat oder vermutet, sollte das unbedingt mit dem Tierarzt klären, denn bei Katzen mit Megakolon gilt das Gegenteil: Sie brauchen hochverdauliches Futter mit möglichst wenig unverdaulichen Anteilen, weil ihr Darm die größere Kotmenge nicht bewältigen kann.

Bewegung fördern

Spielen, Klettermöglichkeiten, Beschäftigung, auch das regt die Darmtätigkeit an. Besonders bei Wohnungskatzen lohnt es sich, aktiv dafür zu sorgen, dass der Alltag nicht zu passiv ist.

Haarballen reduzieren

Regelmäßiges Bürsten, vor allem in der Fellwechselzeit, verringert die Menge der Haare, die die Katze aufnimmt. Spezielle Haarballen-Pasten oder Katzengras können zusätzlich helfen.

Hausmittel mit Bedacht

Kleine Mengen Öl, zum Beispiel Lachsöl, oder Flohsamenschalen werden gelegentlich empfohlen, um den Darminhalt geschmeidiger zu machen. Diese Mittel sind bei leichten Fällen möglich, aber nicht ohne Risiko. Paraffinöl zum Beispiel sollte nur nach Rücksprache mit dem Tierarzt eingesetzt werden, da es bei geschwächten Tieren in die Lunge gelangen und eine schwere Lungenentzündung auslösen kann.

Tierärztliche Behandlung

Bei stärkerer Verstopfung sind Einlauf, Abführmittel oder prokinetische Medikamente nötig, also solche, die die Darmbewegung anregen. Bei einer Koprostase kann der Tierarzt den Kot in Narkose manuell entfernen. Wer das Megakolon einmal entwickelt hat, braucht im fortgeschrittenen Stadium oft eine Operation, die Kolektomie, bei der der geschädigte Darmabschnitt entfernt wird. Die Prognose danach ist in den meisten Fällen gut.

Katze auf sauberem Katzenklo – eine saubere und ruhige Toilette beugt Verstopfung vor

Wann solltest du mit deiner Katze zum Tierarzt?

Bei leichter, gelegentlicher Verstopfung können einfache Maßnahmen oft schnell helfen. Zum Tierarzt solltest du aber in jedem dieser Fälle:

  • kein Kotabsatz seit mehr als 48 Stunden
  • sichtbare Schmerzen oder Schmerzenslaute auf der Toilette
  • Erbrechen, Apathie oder deutlicher Leidensdruck
  • Verstopfung tritt regelmäßig wieder auf
  • du dir nicht sicher bist, ob deine Katze kotiert oder harniert

Besonders bei älteren Katzen lohnt sich auch eine Untersuchung auf Arthrose. Schmerzen beim Hinsetzen sind eine unterschätzte Ursache, die sich behandeln lässt, und die das Leben der Katze erheblich verbessert.

Verstopfung bei Katzen vorbeugen

Die wichtigsten Maßnahmen zur Vorbeugung lassen sich auf vier Punkte bringen: ausreichend Feuchtigkeit über die Nahrung, genug Bewegung und Beschäftigung, regelmäßige Fellpflege um Haarballen zu reduzieren, und eine saubere, ruhige Katzentoilette. Wer das im Alltag konsequent umsetzt, reduziert das Risiko erheblich.

Katzen, die regelmäßig Verstopfung entwickeln, brauchen eine tierärztliche Abklärung, um eine Grunderkrankung auszuschließen. Wiederkehrende Verstopfung ist kein Dauerzustand, den man einfach managen kann, sondern ein Signal, dass etwas nicht stimmt.

Katze trinkt aus dem Wasserhahn – Trinkbrunnen können die Flüssigkeitsaufnahme deutlich verbessern

FAQ – Häufige Fragen zu Verstopfung bei Katzen

Wie kann man Verstopfung bei Katzen lösen?

Bei leichter Verstopfung helfen oft mehr Flüssigkeit, ein höherer Anteil Nassfutter, Bewegungsförderung und reduzierte Haarballen durch regelmäßiges Bürsten. Bleiben diese Maßnahmen ohne Wirkung oder ist die Katze mehr als 48 Stunden ohne Stuhlgang, gehört sie zum Tierarzt. Je nach Schwere kommen dann ein Einlauf, Abführmittel oder prokinetische Medikamente zum Einsatz. Starke Verstopfungen müssen oft in Narkose behandelt werden.

Was wirkt abführend bei Katzen?

Das mildeste Mittel ist mehr Feuchtigkeit: Nassfutter, ein Trinkbrunnen, mehrere Wassernäpfe. Ballaststoffe wie Flohsamenschalen können bei Katzen ohne Megakolon helfen, den Darminhalt zu erweichen. Oral gegebene Abführmittel wie Lactulose werden vom Tierarzt eingesetzt, sollten aber nicht dauerhaft und nicht ohne tierärztliche Begleitung eingesetzt werden, da sie die Darmschleimhaut reizen können. Kleine Mengen Öl können als Gleitmittel wirken, Paraffinöl aber nur nach Rücksprache mit dem Tierarzt.

Wie lange darf eine Katze ohne Stuhlgang bleiben?

Die meisten Katzen setzen täglich Kot ab, manche auch nur alle ein bis zwei Tage, ohne dass das problematisch ist. Spätestens nach 48 Stunden ohne Stuhlgang sollte man die Situation ernst nehmen. Kommen Symptome wie Erbrechen, Schmerzen oder Apathie hinzu, nicht bis zu dieser Grenze warten. Katzen mit Freigang sind schwieriger zu beobachten, weshalb regelmäßiges Reinigen der Innentoilette ein guter Indikator ist.

Was regt bei Katzen den Stuhlgang an?

Die natürlichsten Mittel sind Bewegung, ausreichend Feuchtigkeit und eine ballaststoffreiche Ernährung. Spielen und körperliche Aktivität regen die Darmperistaltik direkt an. Nassfutter enthält deutlich mehr Wasser als Trockenfutter und hält den Darminhalt geschmeidiger. Katzengras kann helfen, Haarballen herauszubefördern. Bei stärkerer Trägheit setzt der Tierarzt prokinetische Mittel ein, die die Darmmuskulatur direkt stimulieren.

Wie oft sollte eine Katze Kot absetzen?

Eine feste Norm gibt es nicht. Die meisten Katzen setzen täglich Kot ab, einige aber auch nur alle ein bis zwei Tage, ohne dass das ein Problem darstellt. Wichtig ist, das individuelle Muster der eigenen Katze zu kennen. Abweichungen von diesem Muster sind das eigentliche Signal.

Kann Trockenfutter Verstopfung verursachen?

Trockenfutter allein verursacht keine Verstopfung, aber es begünstigt sie. Katzen, die hauptsächlich Trockenfutter bekommen, nehmen deutlich weniger Feuchtigkeit über die Nahrung auf. Da Katzen instinktiv wenig trinken, reicht das Wasser aus der Schüssel oft nicht aus, um dieses Defizit zu kompensieren. Der Darminhalt wird trockener und fester als bei einer feuchtigkeitsreichen Ernährung.


Verstopfung bei Katzen ist meistens gut behandelbar, wenn man früh hinschaut und die Ursache kennt. Die häufigsten Auslöser sind zu wenig Feuchtigkeit, falsche Ernährung und Bewegungsmangel. Manchmal steckt auch Stress hinter dem Problem, eine schmutzige Toilette oder Schmerzen beim Hinsetzen bei einer älteren Katze. Wer sein Tier kennt und regelmäßig kontrolliert, ob die Toilette genutzt wird, erkennt Abweichungen früh und kann reagieren, bevor es ernst wird.

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