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Giardien beim Hund: Symptome, Behandlung und der Hygieneplan

Mehr zum Thema Gesundheit findest du hier.

Lesedauer 12 min
Giardien beim hund im Mikroskop

Giardien bei Hunden haben eine Eigenschaft, die jeden Hundehalter zur Verzweiflung treibt: Sie kommen wieder. Der Durchfall verschwindet, du atmest auf und zwei Wochen später klebt wieder gelber Schleim unter der Rute. Kein anderer Darmparasit wird so oft behandelt und so oft zu früh abgehakt.

Dabei ist das Wiederkommen kein Pech und meistens auch keine Resistenz gegen das Medikament. Es ist fast immer ein Hygieneproblem. In diesem Artikel erfährst du, woran du Giardien erkennst, wie die Behandlung abläuft und warum der entscheidende Teil davon nicht in der Tierarztpraxis stattfindet, sondern bei dir zu Hause.

Giardien auf einen Blick

Erreger Einzellige Darmparasiten (keine Würmer), die den Dünndarm besiedeln
Übertragung Über den Kot infizierter Tiere, verunreinigte Pfützen, Näpfe und Böden; die Zysten sind sofort ansteckend
Typische Symptome Schubweiser, dünnbreiiger bis wässriger Durchfall, oft schleimig und übelriechend; viele erwachsene Hunde bleiben symptomlos
Diagnose Kotprobe beim Tierarzt, idealerweise gesammelt über drei Tage
Behandlung Verschreibungspflichtige Wirkstoffe vom Tierarzt plus konsequenter Hygieneplan
Ansteckend für Menschen Grundsätzlich möglich, das Risiko gilt aber als gering; Vorsicht bei Kleinkindern und immungeschwächten Personen
Dauer Behandlung je nach Wirkstoff wenige Tage bis wenige Wochen, oft in mehreren Runden

Was sind Giardien überhaupt?

Giardien sind einzellige Darmparasiten, die sich an die Schleimhaut des Dünndarms heften und dort die Verdauung stören. Mit Würmern haben sie nichts zu tun, auch wenn sie oft in einem Atemzug genannt werden. Eine normale Wurmkur richtet gegen Giardien deshalb nichts aus.

Ihr Trick ist ein Doppelleben. Im Darm leben sie als aktive Parasiten, nach draußen gelangen sie als Zysten, also als widerstandsfähige Dauerstadien mit einer Schutzhülle. Diese Zysten sind laut der Parasitologen-Organisation ESCCAP unmittelbar nach der Ausscheidung ansteckend und überleben in feuchter Umgebung bis zu drei Monate. Giardien zählen zu den häufigsten Darmparasiten bei Junghunden, besonders dort, wo viele Hunde zusammenkommen: in Zuchten, Tierheimen und auf gut besuchten Hundewiesen.

Wie steckt sich ein Hund mit Giardien an?

Die Ansteckung läuft fäkal-oral, das heißt: Was ein infizierter Hund ausscheidet, landet über Umwege im Maul des nächsten. Das klingt eklig und selten. Es ist eklig und ständig. Ein infizierter Hund scheidet bis zu zehn Millionen Zysten pro Gramm Kot aus, für eine Ansteckung reichen schon etwa zehn davon. Die Rechnung geht für den Parasiten also fast immer auf.

Klassische Ansteckungsquellen sind Pfützen und stehende Wasserstellen, gemeinsam genutzte Näpfe, das Beschnüffeln und Belecken von Artgenossen und kontaminierte Böden. Wenn dein Hund zu denen gehört, die an jeder Pfütze hängen wie andere an der Eisdiele, kennst du seine wahrscheinlichste Infektionsquelle damit schon.

Symptome: Wie verhält sich ein Hund mit Giardien?

Das Tückische zuerst: Viele erwachsene, immunstarke Hunde zeigen gar keine Symptome und scheiden trotzdem Zysten aus. Krank werden vor allem Welpen, Junghunde, Senioren und immungeschwächte Tiere. Bei ihnen zeigt sich die Infektion als wiederkehrender Durchfall, oft begleitet von Blähungen, gelegentlichem Erbrechen und Gewichtsverlust, obwohl der Hund normal frisst. Genau diese Kombination, Abnehmen bei gutem Appetit, sollte dich hellhörig machen.

So sieht der Kot bei Giardien aus

Typisch ist dünnbreiiger bis wässriger Kot, häufig schleimig überzogen, gelblich bis grünlich verfärbt und auffallend übelriechend, oft süßlich-faulig. Charakteristisch ist der Verlauf in Schüben: ein paar schlechte Tage, dann wieder normaler Kot, dann geht es von vorne los. Dieses Auf und Ab unterscheidet Giardien von vielen anderen Durchfall-Ursachen. Ein einzelner fester Haufen ist deshalb noch keine Entwarnung.

Diagnose: Warum eine einzelne Kotprobe nicht reicht

Nachgewiesen werden Giardien über eine Kotprobe beim Tierarzt und zwar am besten als Sammelprobe über drei Tage. Der Grund ist die schubweise Ausscheidung: Ein Hund kann heute massenhaft Zysten ausscheiden und morgen fast keine. Eine einzelne negative Probe schließt eine Infektion also nicht aus. Im Labor kommen je nach Fall die Mikroskopie, ein Antigen-Test (der Eiweiße der Giardien im Kot nachweist) oder eine PCR-Untersuchung zum Einsatz, ein Verfahren, das das Erbgut der Parasiten aufspürt.

Wichtig zu wissen: Ein positiver Test ist nicht automatisch ein Behandlungsgrund. Bei einem symptomlosen Einzelhund raten Parasitologen, etwa die der Veterinärmedizinischen Universität Wien, nicht zwingend zur Therapie. Anders sieht es aus, wenn mehrere Tiere im Haushalt leben oder Kleinkinder und immungeschwächte Menschen im Spiel sind. Diese Entscheidung trifft der Tierarzt, nicht das Internet.

Behandlung: So wirst du Giardien los

Behandelt wird mit verschreibungspflichtigen Wirkstoffen, in der Regel Fenbendazol oder Metronidazol, über einen Zeitraum von etwa drei bis zehn Tagen. Dosierung und Dauer legt der Tierarzt fest, oft ist eine zweite Behandlungsrunde nötig. Etwa eine Woche nach Ende der Behandlung zeigt eine Kontroll-Kotprobe, ob die Therapie angeschlagen hat.

Und die Hausmittel? Hier lohnt Ehrlichkeit: Weder Kokosöl noch Kräutermischungen töten Giardien ab. Die Morosche Möhrensuppe kann den Durchfall lindern und den Darm unterstützen, sie ist als Begleitung sinnvoll, ersetzt aber kein Medikament. Wer einen echten Giardienbefall nur mit Hausmitteln bekämpft, verlängert das Leiden seines Hundes und verseucht nebenbei wochenlang die Umgebung.

Wenn die Behandlung scheinbar nicht wirkt, liegt das übrigens selten am Wirkstoff. Fast immer steckt eine Reinfektion dahinter: Der Hund wird behandelt, leckt sich danach die Zysten aus dem eigenen Fell oder frisst sie aus dem eigenen Garten wieder auf und der Kreislauf beginnt von vorne. Womit wir beim wichtigsten Kapitel wären.

Der Hygieneplan: Hier entscheidet sich alles

Giardien-Behandlungen scheitern selten am Medikament. Sie scheitern am Hygieneplan. Die Waschmaschine und die Kotbeutel sind im Kampf gegen Giardien mindestens so wichtig wie die Tablette, deshalb gehört beides von Tag eins an kombiniert.

Konkret heißt das: Kot sofort und vollständig aufsammeln, im verschlossenen Beutel in den Restmüll, niemals in die Toilette oder aufs Beet. Futter- und Wassernäpfe täglich mit kochendem Wasser ausspülen. Decken, Kissenbezüge und Spielzeug bei mindestens 60 Grad waschen, besser mehr, und was keine 60 Grad verträgt, kommt für die Dauer der Behandlung weg. Bei Flächen zählt allein die Temperatur: Sie müssen wirklich über 60 Grad heiß werden, was haushaltsübliche Dampfreiniger an der Oberfläche oft nicht schaffen. Zusätzlich empfiehlt die ESCCAP, den Hund zu Beginn und zum Ende der Behandlung zu shampoonieren, idealerweise mit einem Chlorhexidin-Shampoo (ein desinfizierender Wirkstoff), gründlich vor allem im Hinterteil- und Analbereich, wo Zysten im Fell kleben. Pfützen und fremde Näpfe sind bis auf Weiteres tabu.

Das ist viel Aufwand für zwei Wochen. Er ist trotzdem billiger als die Alternative: Wer den Hygieneplan schleifen lässt, behandelt am Ende dreimal.

Ernährung während und nach der Giardien-Behandlung

Ein von Giardien gereizter Darm braucht leicht verdauliches, fettarmes Futter in kleinen Portionen. Die ESCCAP empfiehlt während der Behandlung ausdrücklich magere, hochverdauliche Kost. Oft liest man zusätzlich, man solle Kohlenhydrate streng streichen, weil sich Giardien davon ernähren. Die wissenschaftliche Beleglage dafür ist dünn, ein Schaden ist von einer kohlenhydratreduzierten, getreidefreien Fütterung in dieser Phase aber auch nicht zu erwarten.

Nach überstandener Infektion lohnt der Blick aufs Alltagsfutter, denn ein stabiler Darm mit intakter Schleimhaut bietet Parasiten schlechtere Bedingungen. Woran du gut verdauliches Hundefutter erkennst, haben wir separat aufgeschrieben.

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Sind Giardien vom Hund auf den Menschen übertragbar?

Grundsätzlich ja, praktisch ist das Risiko aber deutlich kleiner als sein Ruf. Giardien treten in verschiedenen Genotypen auf, also erblich unterschiedlichen Untergruppen, und die bei Hunden verbreiteten sind meist andere als die, die Menschen krank machen. Für Mitteleuropa gibt es laut den Parasitologen der Vetmeduni Wien kaum sicher nachgewiesene Übertragungen vom Hund auf den Menschen. Menschen stecken sich eher bei anderen Menschen an, etwa über verunreinigtes Wasser auf Reisen.

Trotzdem gilt: Einzelne Genotypen kommen bei beiden vor. In Haushalten mit Kleinkindern, Schwangeren oder immungeschwächten Personen sind Händewaschen nach jedem Kontakt, kein Gesichtslecken und der komplette Hygieneplan deshalb Pflicht und kein Angstthema.

Wie lange dauert es, bis Giardien weg sind?

Mit konsequenter Behandlung und Hygiene ist der Spuk meist nach zwei bis vier Wochen vorbei: eine Behandlungsrunde von wenigen Tagen, gegebenenfalls eine zweite, dazu die Kontroll-Kotprobe etwa eine Woche nach Therapieende. Hartnäckige Verläufe über Monate haben fast immer eine von drei Ursachen: Der Hygieneplan hat Lücken, ein zweites Tier im Haushalt scheidet unbemerkt weiter aus oder hinter dem Durchfall steckt zusätzlich etwas anderes, zum Beispiel eine chronische Darmentzündung. Spätestens dann gehört der Fall gründlich aufgearbeitet, mit Kotproben aller Tiere im Haushalt.

Häufige Fragen zu Giardien beim Hund

Wie verhält sich der Hund, wenn er Giardien hat?

Viele erwachsene Hunde verhalten sich völlig normal und scheiden trotzdem Zysten aus. Typische Anzeichen bei Welpen, Junghunden und geschwächten Tieren sind schubweise auftretender Durchfall, Blähungen, gelegentliches Erbrechen und Gewichtsverlust trotz normalem Appetit. Auffällig ist vor allem der Wechsel aus schlechten und scheinbar guten Tagen.

Wie bekommt man Giardien beim Hund weg?

Mit einer tierärztlich verordneten Behandlung, meist mit den Wirkstoffen Fenbendazol oder Metronidazol, plus konsequenter Hygiene: Kot sofort entsorgen, Näpfe täglich kochend heiß reinigen, Textilien bei mindestens 60 Grad waschen und den Hund zu Beginn und Ende der Behandlung shampoonieren. Eine Kontroll-Kotprobe etwa eine Woche nach Therapieende sichert den Erfolg ab.

Wie sieht der Stuhlgang bei Giardien aus?

Typisch ist dünnbreiiger bis wässriger Kot, oft schleimig überzogen, gelblich bis grünlich und auffallend übel riechend. Charakteristisch ist der schubweise Verlauf: Phasen mit Durchfall wechseln sich mit Tagen ab, an denen der Kot normal aussieht. Ein einzelner normaler Haufen schließt Giardien deshalb nicht aus.

Sind Giardien vom Hund auf den Menschen übertragbar?

Grundsätzlich ja, das Risiko gilt in Mitteleuropa aber als gering, weil Hunde meist andere Giardien-Genotypen tragen als Menschen. Vorsichtig sein sollten Haushalte mit Kleinkindern, Schwangeren und immungeschwächten Personen: Dort gelten strikte Händehygiene, kein Gesichtslecken und der volle Hygieneplan während der Behandlung.

Giardien sind kein Drama, aber sie bestrafen Halbherzigkeit. Wer nur die Tabletten gibt und den Rest dem Zufall überlässt, trifft den Parasiten genau dort, wo er am stärksten ist: in seiner Geduld. Nimm die zwei Wochen Hygieneaufwand ernst, dann ist das Thema in den allermeisten Fällen schneller erledigt, als der Ruf der Giardien vermuten lässt. Dein Hund kann es dir nicht sagen. Sein Kot schon.

Autor Kathrin Trusic
Kathrin Trušnic

Hundeernährungsexpertin

Kathrin Trušnic ist zertifizierte Hundeernährungsberaterin und leitet bei Irish Pure die individuelle Ernährungsberatung. Mit über zehn Jahren Praxis erstellt sie wissenschaftlich fundierte Futterpläne nach den offiziellen europäischen Ernährungsleitlinien für Heimtiere (FEDIAF) – vom sensiblen Welpen bis zum Senior. Wenn du mehr über Kathrin erfahren möchtest, oder eine individuelle und kostenlose Ernährungsberatung erhalten willst, klicke hier.

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